Kategorie-Archiv: Allgemein

Arbeitsgruppe Seuchen, Kürschnerhof, Montag 9. Uhr

Fleckfieber, Ruhr und Pest waren schwere Bedrohungen für das Leben in der Stadt. Im 17. Jahrhunderts hatte es schwere Pestwellen gegeben, die gewiss noch nicht vergessen waren. Damals hatte man vor allem mit Quarantäne reagiert: Die Bewohner von Häusern, in denen es einen Pestfall gegeben hatte, durften das Haus nicht mehr verlassen.

1720 bedrohte aber eine andere Krankheit Würzburg. Ein Fieber war aus Frankreich auf dem Weg nach Osten. Continue reading

Ein Lädelein direkt an der Karmelitenkirche St. Barbara …

… hatten der Wachszieher Johann Stefan Seiler und seine Frau Maria Katharina im Jahr 1717 errichtet. Nun wollten sie den Laden an ihre Kinder vererben, aber die Karmeliten waren dagegen. Begründung: Die Seilers hatten zwar die Konzession für Errichtung und Betrieb eines Ladens bekommen, mehr aber auch nicht. Die Investitionen auf eigene Kosten führten nach Auffassung der Mönche nicht zum Eigentum Continue reading

Das Testament von Vikar Kraft

Am 19. August 1720 machte Johannes Nikolaus Kraft in Würzburg sein Testament. Er war die letzten 15 Jahre Vikar an St. Burkard gewesen. St. Burkard war damals ein adeliges Stift, eine religiöse Gemeinschaft von Angehörigen des Adels, deren Aufgabe vor allem das Feiern von Gottesdiensten war. Dabei ließen sie sich allerdings – man konnte ja nicht immer anwesend sein – gerne von Vikaren vertreten. Dafür wurden die Vikare dann bezahlt. So ein Vikar war auch Nikolaus Kraft. Es war ein niederer Rang, und Continue reading

Tumult in Wertheim

Wir befinden uns in Wertheim. Wo die Tauber in den Main mündet, in Sichtweite des Spessarts, liegt die Residenzstadt der Grafen von Wertheim. Im Juli 1720 gab es dort gewaltigen Ärger zwischen den Schlossern der Stadt und den Beamten des Fürsten Dominik Marquard. Zwei Schlosser wurden verhaftet und in der Wachstube der Hofhaltung in der Mühlenstraße festgesetzt. Bürgermeister und Stadtschreiber verhandelten mit den Hofräten des Fürsten, erfolglos. Am 27. Juli läutet die Sturmglocke der Stadt. Das Volk läuft vor der Hofhaltung zusammen. Schließlich passiert das Undenkbare: Man stürmt die Continue reading

Fremd und arm in der Stadt

Am 21. Juni berät die Regierung über eine Anfrage des Stadtrats, wie man mit (fremden) Leuten umgehen sollte, die sich nicht selbst ernähren könnten. Das war ein großes Thema in der Frühen Neuzeit. Die Obrigkeiten versuchten, die eigenen Almosenkassen möglichst zu entlasten. Die Lösung hieß daher mit dem Wort der Zeit: Hinausschaffen. In der Verwaltung lief dies unter dem Betreff “puncto Eliminatorum”. So hielt man es auch in Würzburg. Im Continue reading

Die Sache mit den Steuern …

… und Abgaben gehörte auch früher schon zu den heiklen Punkten in einer Stadt. Es gab so große Unterschiede. Adelige und Kleriker mussten sich an den bürgerlichen Leistungen in der Stadt nicht beteiligen. Das galt nicht nur für Steuern, sondern auch für Dinge wie das Wacheschieben auf den Stadtmauern, das Stellen von Soldaten und die Unterbringung von Soldaten und Frondienstleistenden. Letzteres hieß Einquartierung und sorgte immer wieder für mächtigen Verdruss. Continue reading

Mainmüller Senger will keine Steuern zahlen

Jedenfalls nicht wie die anderen Bürger der Stadt. Darüber beschweren sich Bürgermeister und Stadtrat beim Fürstbischof. Genauer gesagt, über seine sich „anmaßende Einquartierungs- und Schatzungsfreiheit“. Es war ein uraltes Problem in Würzburg: Mussten diejenigen, die im Auftrag des Bischofs tätig waren, sich an den Steuern und Aufgaben der Stadtbürger beteiligen? Continue reading

Wenn Leute ohne Geld heiraten …

und dann noch Kinder kriegen, belasten sie die öffentlichen Kassen. Dies war eine der großen Sorgen der Obrigkeit. Die Würzburger Regierung erließ deshalb ein Mandat gegen das Heiraten von Armen „umb zu verhüten, daß nicht allerhand liederliche oder nichts vermögende Leuth zusammen heurathen“ und dann „die Stadt mit Bettelkinder[n] anfüllen“. Heiraten darf deshalb nur, wer eine Bescheinigung über seine Continue reading

Zentrale Almosenausgabe

Das Betteln in der Stadt in geordnete Bahnen zu lenken, war schon immer ein Anliegen der Obrigkeit. Ganz besonders schlimm sei es in der Karwoche, schrieb am 22. März 1720 Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn. Da kamen wohl viele Fremde in die Stadt, um die Spendenbereitschaft der Würzburger in der Woche von Tod und Auferstehung Jesu auszunutzen. Sie machten den ohnehin schon vorhandenen Kranken und Bedürftigen Konkurrenz und störten sogar in den Kirchen. Das war natürlich ein Problem. Andererseits wolle er den Notleidenden Continue reading

Tod einer Kaiserin

Am 19. Januar war die Kaiserin Eleonora Magdalena Theresia gestorben. Dem Würzburger Bischof wurde dies wie anderen Fürsten des Reichs umgehend mitgeteilt. Dann war die Würzburger Kanzlei am Zug: Ein Kondolenzschreiben an den Kaiser musste her, verfasst nach allen Regeln der Kunst. Johann Philipp Franz von Schönborn schrieb also von der schmerzlichen und empfindlichsten Gemütsbewegung, die die Nachricht Continue reading