Tod einer Kaiserin

Am 19. Januar war die Kaiserin Eleonora Magdalena Theresia gestorben. Dem Würzburger Bischof wurde dies wie anderen Fürsten des Reichs umgehend mitgeteilt. Dann war die Würzburger Kanzlei am Zug: Ein Kondolenzschreiben an den Kaiser musste her, verfasst nach allen Regeln der Kunst. Johann Philipp Franz von Schönborn schrieb also von der schmerzlichen und empfindlichsten Gemütsbewegung, die die Nachricht in ihm ausgelöst habe. Dies auch deswegen, weil er für die kaiserliche und königliche katholische Majestät und ihrem durchlauchtigsten Erzhaus die allergehorsamste und getreueste Devotion unaussetzlich hege. Johann Philipp versicherte Kaiser Leopold, er betrauere den Todesfall höchst kläglich. Dann gab er noch der Hoffnung Ausdruck, der allmächtige Gott werde den Kaiser nun so lange wie möglich von derlei Widerwärtigkeiten verschonen und ihm stattdessen mildväterlich verleihen, was ihm am allermeisten erfreulich, trostreich und vergnüglich sein kann. Am 7. Februar wurde das Schreiben abgeschickt. Die Würzburger Kanzlei wird erleichtert gewesen sein, die Aufgabe gemeistert zu haben. Der Tod einer Kaiserin kam schließlich nicht jeden Tag vor.

Staatsarchiv Würzburg, Reichswesen 23, 1720 Februar 7. Recherche und Transkription: Timo Bayer.

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