Um den Kirchturm von Karbach …

… ging es in einem Schreiben, das am 22. März 1720 verfasst wurde. Der war dem Verfasser nämlich offenbar zu niedrig. Deshalb sollte die Karbacher Kirche 100 Reichstaler bekommen „zur Erhöhung des Kirchtums“.

So steht es im Testament von Johann Martin Gösswein, Pfarrer in Kürnach. Gösswein stammte wohl aus Karbach, seine dort lebende Mutter wurde als Haupterbin eingesetzt. Sie musste sich auch um die Ausführung des Testaments kümmern. Darin wurden die Dettelbacher Franziskaner bedacht, die heilige Messen für ihn lesen sollten, und zwar drei „ufm privilegierten Altar“, also dem Hochaltar, und 20 weitere an anderen Altären. Die Kirchen in Kürnach und Karbach bekamen je dreißig Gulden, um seiner und seiner Eltern in einem „ewigen Jahrtag“ zu gedenken und für seine Seele zu bitten. Desweiteren sollten nicht weniger als 300 Messen zur Erlösung armer Seelen aus dem Fegefeuer gelesen werden, „in der Hoffnung, solche Seelen werden bei Gott meine Fürbitter sein“.

Neben der Sorge um seine und die Seelen anderer trieb Gösswein auch seine Dienstmagd um. Sie bekam wegen ihrer treuen Dienste 80 Gulden und das Geld für ein Trauerkleid dazu. Auch die Magd seiner Mutter bekam etwas. Schließlich bedachte Pfarrer Gösswein noch die Armen aus Kürnach und Mühlhausen, den beiden Orten seiner Pfarrei. Dieses Werk christlicher Barmherzigkeit gehörte bei einem Pfarrer sozusagen dazu.

Die Idee mit der Turmerhöhung dagegen ist schon etwas Besonderes. Offenbar wollte Gösswein etwas Bleibendes hinterlassen, das man auch sehen konnte. Und so geht vielleicht bis heute die oberste Spitze des Karbacher Kirchturms auf das Konto von Pfarrer Gösswein. RIP.

Diözesanarchiv Würzburg, Testamente von Geistlichen (G 70). Recherche und Transkription: Marcel Koschek.

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