{"id":117,"date":"1720-10-20T14:58:53","date_gmt":"1720-10-20T12:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=117"},"modified":"2020-11-14T21:29:50","modified_gmt":"2020-11-14T19:29:50","slug":"ein-gaertchen-gegen-den-unsaeglichen-gestank-am-schwanentor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=117","title":{"rendered":"Ein G\u00e4rtchen gegen den uns\u00e4glichen Gestank am Schwanentor &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 das war die ungew\u00f6hnlich anmutende Bitte, die der B\u00fcttnermeister Andreas Ignatius Pfrengler im Oktober 1720 an den F\u00fcrstbischof richtete. Pfrengler lebte neben dem bekannten Schwanen-Wirtshaus, das von Zeit zu Zeit den einen oder anderen F\u00fcrsten oder Grafen beherbergte und etwa dort stand, wo sich heute das Kaufhaus \u201eW\u00f6hrl\u201c an der alten Mainbr\u00fccke befindet. Zwischen eben diesen beiden H\u00e4usern lag nun die Ursache f\u00fcr jenes Schreiben, die Quelle des \u00fcblen Geruchs, der <!--more-->durch die \u201eabscheulichkeiten [entstand, die dorthin] geschuttet werden\u201c, wie dem Brief zu entnehmen ist. Da man ihm alleine jedoch keinen Glauben h\u00e4tte schenken k\u00f6nnen, lieferte Pfrengler gleich ein \u201eAttestatum\u201c seiner Nachbarin, der Wirtin, mit, die die Ausf\u00fchrungen des W\u00fcrzburger B\u00fcrgers best\u00e4tigt. Um den beschriebenen Angriff auf die Geruchsknospen zu verhindern, wollte Pfrengler an ebenjener Stelle einen Garten errichten. Dabei hatte er jedoch sicherlich weniger die akute Geruchsbek\u00e4mpfung im Sinn, sondern wollte wohl eher der Entsorgung neuen Unrates vorbeugen. Zus\u00e4tzlich sei der Garten auch eine Bereicherung f\u00fcr das Stadtbild und ein \u201eplaisier\u201c f\u00fcr die hochrangigen Herren, die im Wirtshaus gastierten, f\u00fchrte er weiter aus. Eine so sch\u00f6n ausformulierte Bitte h\u00e4tte der F\u00fcrstbischof wohl kaum ausschlagen k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>Wie der Ratsbeschluss (RP 80, folio 284) zeigt, erhielt B\u00fcttnermeister Pfrengler die Erlaubnis f\u00fcr sein G\u00e4rtchen \u2013 ob die unrechtm\u00e4\u00dfige Abfallbeseitung damit endete, ist nicht tradiert. Das Blatt folio 284 \u00bd ist in das Ratsprotokoll eingebunden und beinhaltet Pfrenglers eben beschriebene Supplik mit dem erw\u00e4hnten Attestatum, den Umschlag mit Adresse und Vermerk der f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Kanzlei sowie ein Gutachten \u00fcber die Situation des Herrn Pfrengler, welches von der Kanzlei in Auftrag gegeben wurde und sicherlich ausschlaggebend f\u00fcr den letztendlichen Beschluss war. Mit diesem kompletten \u201eGesch\u00e4ftsgang\u201c stellt das vollst\u00e4ndige Folio 284 inkl. der unter 284 \u00bd verzeichneten Unterlagen schon eine kleine Besonderheit in den Ratsprotokollen dar und ist somit ein echter Gl\u00fccksfund.<\/p>\n<p><em>Stadtarchiv W\u00fcrzburg, Ratsprotokolle Bd. 80 (1720\/21), folio 284 \u00bd. Recherche, Transkription und Text: Kristin Heck. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 das war die ungew\u00f6hnlich anmutende Bitte, die der B\u00fcttnermeister Andreas Ignatius Pfrengler im Oktober 1720 an den F\u00fcrstbischof richtete. Pfrengler lebte neben dem bekannten Schwanen-Wirtshaus, das von Zeit zu Zeit den einen oder anderen F\u00fcrsten oder Grafen beherbergte und etwa dort stand, wo sich heute das Kaufhaus \u201eW\u00f6hrl\u201c an der alten Mainbr\u00fccke befindet. 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