{"id":136,"date":"1720-07-27T16:37:00","date_gmt":"1720-07-27T14:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=136"},"modified":"2018-05-23T23:48:11","modified_gmt":"2018-05-23T21:48:11","slug":"tumult-in-wertheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=136","title":{"rendered":"Tumult in Wertheim"},"content":{"rendered":"<p>Wir befinden uns in Wertheim. Wo die Tauber in den Main m\u00fcndet, in Sichtweite des Spessarts, liegt die Residenzstadt der Grafen von Wertheim. Im Juli 1720 gab es dort gewaltigen \u00c4rger zwischen den Schlossern der Stadt und den Beamten des F\u00fcrsten Dominik Marquard. Zwei Schlosser wurden verhaftet und in der Wachstube der Hofhaltung in der M\u00fchlenstra\u00dfe festgesetzt. B\u00fcrgermeister und Stadtschreiber verhandelten mit den Hofr\u00e4ten des F\u00fcrsten, erfolglos. Am 27. Juli l\u00e4utet die Sturmglocke der Stadt. Das Volk l\u00e4uft vor der Hofhaltung zusammen. Schlie\u00dflich passiert das Undenkbare: Man st\u00fcrmt die<!--more--> gleich hinter dem Tor liegende Wachstube, \u00fcberwindet die Grenadiere und befreit die beiden Schlosser unter enormem Geschrei.<br \/>\nIn der Befreiung kulminierten gleich mehrere Konflikte. Da war der immerw\u00e4hrende Streit zwischen einheimischen Handwerkern und Fremden: Konrad Schmitt, ein katholischer Schlosser aus Rothenfels, lebte in Wertheim und \u00fcbernahm dort Auftr\u00e4ge. Dagegen protestierten die Wertheimer Schlosser, die den \u201eSt\u00fcmper\u201c von ausw\u00e4rts nicht dulden wollten. Im Grunde hatten sie Recht, denn Katholiken sollten sich in der evangelischen Grafschaft Wertheim eigentlich nicht niederlassen d\u00fcrfen. Doch hier verl\u00e4uft die n\u00e4chste Konfliktlinie: Die Grafschaft war zwar evangelisch, aber die Obrigkeit in eine katholische Linie (die des F\u00fcrsten Dominik Marquard) und eine evangelische (deren Senior war damals Graf Ludwig Moritz) gespalten. Und Dominik Marquard hielt seine Hand \u00fcber den katholischen Schlosser. Die Wertheimer griffen zur Selbstjustiz und nahmen Schmitt sein Werkzeug weg, Grenadiere von Dominik Marquard inhaftierten die beiden Schlosser in der Hofhaltung. Dar\u00fcber emp\u00f6rte sich Ludwig Moritz: Ohne seine Zustimmung durfte in Wertheim nicht inhaftiert werden, fand er.<br \/>\nZum Gl\u00fcck war beim Sturm auf die Hofhaltung niemand verletzt worden. Dominik Marquard schaltete hinterher den Fr\u00e4nkischen Reichskreis ein und beschwerte sich, Ludwig Moritz habe die Wertheimer zum Tumult gereizt und zur gewaltt\u00e4tigen Best\u00fcrmung seiner Residenz. Der Bischof von Bamberg (katholisch) und der Markgraf von Brandenburg (evangelisch) mahnten als Chefs des fr\u00e4nkischen Reichskreises zur Ruhe. Ums Haar w\u00e4ren aus den Vorg\u00e4ngen gef\u00e4hrliche und funeste Dinge entstanden, schrieben sie. Das hei\u00dft: Es h\u00e4tte Tote geben k\u00f6nnen. Sie erinnerten die Wertheimer und ihre Obrigkeit an die Strafen, die f\u00fcr dergleichen in den Konstitutionen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches vorgesehen waren. Vielleicht wirkte die Mahnung. Jedenfalls hatten die eigentlich ungeheuerlichen Vorg\u00e4nge in der Wertheimer M\u00fchlenstra\u00dfe erst mal keine weiteren Folgen.<\/p>\n<p>Tag der Befreiung der Schlosser: 27. Juli 1720. Hauptquelle: Staatsarchiv Wertheim, R-Rep. 9 Nr. 79.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir befinden uns in Wertheim. Wo die Tauber in den Main m\u00fcndet, in Sichtweite des Spessarts, liegt die Residenzstadt der Grafen von Wertheim. Im Juli 1720 gab es dort gewaltigen \u00c4rger zwischen den Schlossern der Stadt und den Beamten des F\u00fcrsten Dominik Marquard. 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