{"id":148,"date":"1720-12-20T08:48:03","date_gmt":"1720-12-20T06:48:03","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=148"},"modified":"2018-10-29T20:43:45","modified_gmt":"2018-10-29T18:43:45","slug":"wenn-der-stadtrat-tagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=148","title":{"rendered":"Wenn der Stadtrat tagt &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Kenner der Materie beschreiben den Unterhaltungswert von Sitzungen des Stadtrats als durchaus schwankend. Das war wohl fr\u00fcher auch nicht anders. Obwohl die Zeiten sich sonst sehr ge\u00e4ndert haben. Zum Beispiel gab es 1720, unglaublich eigentlich, noch keine CSU \u2026<\/p>\n<p>Werfen wir einen Blick in das Protokoll der Sitzung vom 20. Dezember 1720. Was wurde verhandelt? Zun\u00e4chst musste\u00a0der Rat sich \u00e4rgern: Der W\u00e4chter am Sandertor hatte auf eigene Faust den Zoll erh\u00f6ht. Was bildete der Kerl sich ein? Unm\u00f6glich! Er wurde vorgeladen.<\/p>\n<p>Dann ein h\u00f6chst wichtiges Thema: der Wein der Stadt. Der alte Ratsb\u00fcttner war n\u00e4mlich verstorben, und seine Witwe Eva Sabina Sandfu\u00df hatte nun einen sehr sch\u00f6nen Brief geschrieben, in dem sie vorschlug, <!--more-->doch ihren Sohn zu seinem Nachfolger zu machen. Qualifikation: tadellos, schlie\u00dflich hatte der Vater treue Dienste geleistet. Das \u00fcberzeugte auch den Stadtrat und\u00a0Sandfu\u00df junior wurde neuer Ratsb\u00fcttner.<\/p>\n<p>Dann vergab der Stadtrat einen Kredit. Philipp Jacob Br\u00fcckner hatte um 400 Gulden gebeten und bekam sie auch, musste daf\u00fcr aber seine Weinberge und das Haus seiner Schwiegermutter als Pfand einsetzen. Vier weitere Kredite wurden in der Sitzung noch vergeben \u2013 der Stadtrat war auch eine Bank.<\/p>\n<p>Dann musste der Stadtrat sich um ein Stipendium k\u00fcmmern: Mit Burchards Stipendium wurden begabte Studenten\u00a0beim Studium in W\u00fcrzburg unterst\u00fctzt. 1720 hatte der Sohn von Konrad Friedrich Dietmann das Stipendium. Aber nun hatte es Klagen gegeben. Der Sohn k\u00f6nne sich nicht benehmen, hie\u00df es. Konnte man aber ein Stipendiat der Stadt sein, wenn man sich nicht benehmen konnte? Der Stadtrat sagte nein.<\/p>\n<p>Dann wurde es ernst. W\u00fcrzburg in Gefahr. Es ging um den Schutz der W\u00fcrzburger. Immer wieder kamen n\u00e4mlich Fremde mit ansteckenden Krankheiten nach W\u00fcrzburg. Das durfte nicht sein. Es galt zu verhindern, dass ein \u201egef\u00e4hrliches contagium\u201c sich einschlich. Der Stadtrat beschloss, beim Bischof eine Entschlie\u00dfung zu erwirken, nach der die Torw\u00e4chter die Reisenden strenger kontrollieren sollten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich auch noch sch\u00f6ne Themen. Der Rat konnte vier neue W\u00fcrzburger in der Stadt begr\u00fc\u00dfen, indem er ihnen das B\u00fcrgerrecht verlieh. Unterst\u00fctzung bekam Veronica Stuhler, eine arme B\u00fcrgerin mit einem Leiden am Bein. Der Stadtrat beschloss, ihr zwei Gulden zu geben, damit sie sich vom Barbier behandeln lassen konnte. Und der Stadtrat konnte noch eine weitere Wohltat beschlie\u00dfen: Barbara Diehm wollte heiraten. Da sie sich immer wohl verhalten hatte und ihr Ruf tadellos war, sprach der Stadtrat ihr das st\u00e4dtische Jungferngeld zu.<\/p>\n<p>So waren die Stadtratssitzungen damals: Von Strafen bis zu Krediten und Familienpolitik wurde allerlei verhandelt, und Postengeschacher gab es auch.<\/p>\n<p>Stadtarchiv W\u00fcrzburg, Ratsprotokoll vom 20. Dezember 1720. Bearbeitung: Stephanie M\u00fcller.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kenner der Materie beschreiben den Unterhaltungswert von Sitzungen des Stadtrats als durchaus schwankend. Das war wohl fr\u00fcher auch nicht anders. Obwohl die Zeiten sich sonst sehr ge\u00e4ndert haben. Zum Beispiel gab es 1720, unglaublich eigentlich, noch keine CSU \u2026 Werfen wir einen Blick in das Protokoll der Sitzung vom 20. Dezember 1720. 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