{"id":225,"date":"1720-01-18T22:27:00","date_gmt":"1720-01-18T21:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=225"},"modified":"2023-09-24T13:50:23","modified_gmt":"2023-09-24T11:50:23","slug":"keine-mummereien-keine-taenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--1720wrzburg-xhb.de\/?p=225","title":{"rendered":"Keine Mummereien, keine T\u00e4nze"},"content":{"rendered":"<p>Unterfranken gilt heute als Faschingshochburg, mit Sitzungen, Masken, Umz\u00fcgen und allem, was sonst noch so dazugeh\u00f6rt. Jahr f\u00fcr Jahr wird genau hingesehen, in welchem Kost\u00fcm die politische Prominenz in Veitsh\u00f6chheim einl\u00e4uft. Es vor der Fastenzeit noch mal so richtig krachen zu lassen, gilt als typisch katholisch.<\/p>\n<p>Da wundert eine Verordnung, die F\u00fcrstbischof Philipp Franz von Sch\u00f6nborn am 18. Januar 1720 erlie\u00df. Fastnachts-Spiele und Mummereien (also Maskenb\u00e4lle) h\u00e4tten zu skandal\u00f6sen und \u00e4rgerlichen Exzessen gef\u00fchrt, was den Zorn Gottes hervorgerufen habe und Jung und <!--more-->Alt ein schlechtes Beispiel gab.\u00a0 Deswegen ordnet Philipp Franz an: Maskeraden und Fastnachts-Spiele sind in der kommenden Faschingszeit ebenso verboten wie jede Form von Musik und Tanz sowohl in Wirtsh\u00e4usern wie\u00a0 bei Privaten.\u00a0 Das Verbot soll f\u00fcr jedermann gelten, unabh\u00e4ngig von Stand, W\u00fcrde und Wesen.<\/p>\n<p>Ein nahezu vollst\u00e4ndiges Faschings-Feier-Verbot! Man muss hier allerdings zwischen der Norm und der Realit\u00e4t unterscheiden. Ein Indiz daf\u00fcr ist schon der Umstand, dass gerade solche Verbote von Exzessen im Jahr 1720 schon auf gut 150 Jahre Tradition zur\u00fcckblicken konnten. Alle paar Jahrzehnte wurden sie wiederholt. Bewirken taten sie wenig.<\/p>\n<p>Die Historiker haben in j\u00fcngster Zeit viel Energie in die Sammlung und Auswertung solcher Verordnungen gesteckt. Vor zwei Jahren ist auch der\u00a0<a href=\"https:\/\/bibliothek.uni-wuerzburg.de\/permalink\/bv\/BV043243890\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Band<\/a> erschienen, in dem die Mandate des Hochstifts W\u00fcrzburg versammelt sind. Hier kann man wunderbar nachlesen, wie die Produktion von Gesetzen im Staat der Fr\u00fchen Neuzeit mehr und mehr in Fahrt kam. Im 17. Jahrhundert ging es los, Julius Echter war in seinen 44 Regierungsjahren (1573-1617) noch mit 29 Verordnungen ausgekommen.\u00a0 Damit lag er etwa auf gleicher H\u00f6he mit dem Hochstift M\u00fcnster, das es in diesen Jahren auf 32 Mandate brachte. In Speyer dagegen waren es schon 42, und im Hochstift Augsburg bewegte man sich mit 138 Verordnungen schon in ganz anderen Dimensionen. Ob das Leben in Augsburg damit anders (oder im Sinne der Obrigkeit: besser) war als in den anderen Territorien, darf allerdings bezweifelt werden. Denn es handelt sich, wie gesagt, um die Norm, nicht um die Realit\u00e4t. Und die Fastnachts-Spiele, davon kann man wohl ausgehen, gingen auch in W\u00fcrzburg weiter, trotz der Verordnung des F\u00fcrstbischofs.<\/p>\n<p>Di\u00f6zesanarchiv W\u00fcrzburg, W\u00fcrzburger Verordnungen 1710-1723, Nr. 1065. Recherche und Transkription: Ren\u00e9 Dabrock.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterfranken gilt heute als Faschingshochburg, mit Sitzungen, Masken, Umz\u00fcgen und allem, was sonst noch so dazugeh\u00f6rt. Jahr f\u00fcr Jahr wird genau hingesehen, in welchem Kost\u00fcm die politische Prominenz in Veitsh\u00f6chheim einl\u00e4uft. Es vor der Fastenzeit noch mal so richtig krachen zu lassen, gilt als typisch katholisch. 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