Das Testament von Vikar Kraft

Am 19. August 1720 machte Johannes Nikolaus Kraft in Würzburg sein Testament. Er war die letzten 15 Jahre Vikar an St. Burkard gewesen. St. Burkard war damals ein adeliges Stift, eine religiöse Gemeinschaft von Angehörigen des Adels, deren Aufgabe vor allem das Feiern von Gottesdiensten war. Dabei ließen sie sich allerdings – man konnte ja nicht immer anwesend sein – gerne von Vikaren vertreten. Dafür wurden die Vikare dann bezahlt. So ein Vikar war auch Nikolaus Kraft. Es war ein niederer Rang, und Kraft war auch gewiss kein Adeliger. Etwas Geld hatte er dagegen schon, wie man an seinem Testament sehen kann. Da gab er 100 Imperiale (eine Münze) an die Bruderschaft der Vikare, damit sie viermal im Jahr für ihn und seinen verstorbenen Bruder Johann Georg eine Messe lasen – das Heil der Seele im Jenseits war der wichtigste Aspekt angesichts des Todes. Für denselben Zweck vermachte er den Karmelitern 200 Imperiale. Die Kapuziner sollten 500 Liter Wein bekommen. Bedacht wurde auch die Kirche in Opferbaum, von wo Kraft vermutlich stammte. Seine Verwandtschaft in Opferbaum bekam einige Felder, die er als Grundbesitz hatte. Seine Magd (famula mea) Margret Rode sollte sein Bett samt Bettzeug (Ober- und Unterbetth, drei Küssen) bekommen. Auch die Armen und verschiedene Einzelpersonen wurden bedacht. Das Stift St. Burkard ging dagegen leer aus, was ungewöhnlich war. Vermutlich deswegen ist auf dem Testament vermerkt: „Copia Testamenti Herrn Vicarii Krafftens seelig, worinnen er des Rittersstiffts sehr schlecht gedacht.“

So konnten Testamente auch damals schon überraschen und alte Rechnungen begleichen, sozusagen der zweitwichtigste Aspekt angesichts des Todes.

Staatsarchiv Würzburg, Geistliche Sachen 88/2396. Recherche und Transkription: Aaron Bohlen.

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